KI hat die Content-Produktion demokratisiert. Das klingt erst mal schön. Ein bisschen nach Bildungsgerechtigkeit, Creative Empowerment und endlich weniger Überstunden. Die andere Wahrheit ist: KI hat auch die Schleusen geöffnet.

Seitdem jedes Tool in Sekunden Texte, Bilder, Videos, Ads, Posts, Claims, Skripte und „Thought Leadership“ ausspuckt, quillt das Internet über. Manchmal ist das harmlos absurd. Manchmal ist es verstörend. Meistens ist es unnötig. Und fast immer nervt es. Willkommen im Zeitalter von AI Slop!

Zeit, mal genau hinzuschauen, was sich dahinter verbirgt. Und vor allem, was das fürs Marketing bedeutet.

Was ist AI Slop?

AI Slop ist billiger Content (im doppelten Sinne): schnell produziert, beliebig, ohne echten Mehrwert. Merriam-Webster definierte „Slop“ 2025 als digitalen Content niedriger Qualität, der üblicherweise massenhaft mit künstlicher Intelligenz produziert wird.

Und klar: Schlechter Content per se ist nichts Neues! Der wesentliche Unterschied liegt im minimalen Aufwand bei der Produktion. Früher musste solcher Content noch mühsam erstellt werden. Jemand musste ein Stockbild suchen, einen Text zusammenkopieren, eine Headline quetschen, ein Layout verunstalten. Heute reicht ein Prompt. Und plötzlich gibt es unzählige Varianten von etwas, das nie jemand gebraucht hat.

Meet the Slop: Shrimp Jesus, Katzen-Drama und andere Abgründe

Wer AI Slop verstehen will, muss sich kurz durch das digitale Kuriositätenkabinett kämpfen. Doch keine Sorge: Die meisten Lowlights aus dem Slop-Universum sind genauso random wie amüsant.

Shrimp Jesus: Der Messias aus der Seafood-Theke

Was wäre, wenn christliche Ikonografie, Tiefkühl-Meeresfrüchte und Engagement-Bait zusammen ein Baby hätten? „Shrimp Jesus“ war ein Phänomen, bei dem die Community sich mit den neuen KI-Möglichkeiten austobte.

Forbes beschrieb den Trend 2024 als surreal, oft verstörend und massenhaft adaptiert. Für die einen unterhaltsamer Quatsch, für die anderen religiöse Provokation, lange bevor Trump sich als Messias inszeniert hat. In jedem Fall bis heute das ikonischste Beispiel für AI Slop!

KI-generiertes Bild einer Jesusfigur mit Heiligenschein und Flügeln aus Garnelen, unter Wasser schwebend. Ein Shrimp-Jesus-Meme. KI-generierte Jesus-Büste, die eine Garnele als Kopfschmuck trägt, Berge im Hintergrund. Ein Shrimp-Jesus-Meme.
Weird, weirder, Shrimp Jesus. Quellen: Threads, Facebook

Cat Stories: Wenn Katzen Telenovela spielen

Das Internet liebte schon immer Katzenvideos. Mit KI kamen dann plötzlich Eheprobleme, Krankenhausflure und Tränen in Zeitlupe dazu. Zusammengestrickt in Plots, die von einem defekten Staubsauger stammen könnten. Der krampfhafte Versuch von Emotionalisierung, wie ihn ein Prozessor versteht. Welcome to the age of Artificial Kitsch.

KI-generiertes Videostandbild einer vermenschlichten weißen Katze mit Tränen, die Streetfood grillt. Ein Katzen-Telenovela-Slop-Clip. KI-generiertes Bild zweier vermenschlichter Katzen als Paar, eine sichtbar schwanger, vor einem modernen Haus.
Mini-Cat-Dramas, Billig-Plot inklusive. Quellen: TikTok, Facebook

Handgemacht von niemandem: Fake Craftsmanship Slop

Dann wäre da noch die endlose Galerie handgemachter Wunderwerke: eine riesige Skulptur aus Eis, ein gehäkelter Traktor, eine Babywiege in Kirchenform, ein fast lebensgroßes Pferd aus Brot, alles angeblich in mühevoller Handarbeit gefertigt, jedes mit einer rührseligen Bildunterschrift, die ungefähr so klingt: „Jedes Detail mit Liebe gemacht, nichts Besonderes, ich wollte nur, dass jemand etwas Nettes darüber sagt.“

Hand angelegt hat dabei natürlich nie jemand. Trotzdem gibt es diese austauschbaren Click Baits in allen erdenklichen Variationen, und mit ihnen noch genug Menschen, die den Empathie-Köder reflexhaft schlucken und diese Inhalte tausendfach kommentieren oder liken (Stichwort Medienbildung!).

KI-generiertes Bild einer älteren Frau, die einen gehäkelten grünen Spielzeug-Traktor hält. Screenshot eines viralen Facebook-Posts mit einem lebensgroßen Pferd aus Brot, Bildunterschrift „I made every detail with love“.
Seelenloser Trash wirbt um Mitgefühl. Quellen: Facebook, Reddit

AI Slop im Marketing: Wenn Brands patzen

Solange User und Bots hunderte Varianten des Garnelen-Jesus produzieren und die Social-Media-Kanäle mit trashigen Katzen-Telenovelas überfluten, kann man AI Slop vielleicht noch als witziges Experiment betrachten. Kritisch wird es allerdings spätestens, wenn große Marken zu Slop-Produzenten werden.

Leider ist Marketing dafür anfällig, weil es ständig unter Output-Druck steht. Immer mehr Kanäle, mehr Touchpoints, mehr Varianten, mehr Content. KI wirkt da erst mal wie die perfekte Lösung, da sie schnell und günstig den Output skaliert.

Bis man merkt, dass dessen Qualität dabei oft im Sturzflug sinkt. Für alle von euch, die vor allem in Zahlen und ROI denken: Die monetären Schäden an der Marke sind dabei oft größer als das Einsparpotenzial bei der Content-Entwicklung.

Marketing-Fail 1: Wenn Coca-Colas „Real Magic“ zu künstlich schmeckt

2024 ließ Coca-Cola seinen ikonischen Weihnachts-Spot von KI erzeugen, mit fatalen Folgen. Die sichtbaren Mängel, wie sich fehlerhaft drehende Lkw-Räder oder unnatürlich leuchtende Gesichter, waren schnell benannt. Aber die wären noch verzeihlich gewesen.

Das echte Problem lag tiefer: Eine Marke, die jahrzehntelang ein unverwechselbares Weihnachtsgefühl aus Wärme, Nostalgie und einer wohldosierten Prise Kitsch aufgebaut hatte, überließ genau das jetzt einem Algorithmus, ausgerechnet unter dem Claim „Real Magic“.

Das berüchtigte „Uncanny Valley“ lag nicht in den einzelnen Fehlern, sondern im Gefühl der Leblosigkeit: Es fühlte sich einfach nicht mehr wie Coca-Cola an! Die Substanz, die die Marke ausmacht, ließ sich eben nicht einfach generieren. Die Community spürte diesen Unterschied schneller, als sie ihn benennen konnte.

Marketing-Fail 2: Wenn Luxus-Marken plötzlich billig wirken

Ende 2025 bewarb Valentino seine neue DeVain-Handtasche mit einer KI-generierten Kampagne, und erntete ebenfalls einen Shit-Storm. Der Ansatz war dabei nicht mal nachlässig: Der KI-Einsatz wurde offen ausgewiesen, Digitalkünstler waren beteiligt, das Konzept war klar umrissen. Die Kampagne positionierte sich klar als kreatives Experiment, nicht als schneller Produktions-Shortcut.

Dieses Mal lag das Problem nicht am Einsatz von KI per se, sondern am mangelnden Fit mit der Marke. Der Output entsprach schlicht nicht dem, wofür Valentino bisher stand: Für ein Couture-Haus, das für Top-Handwerk und gestalterische Präzision bekannt ist, zahlen surreale, ineinander morphende Körper und Logos zu null Prozent auf die Marke ein. Entsprechend vernichtend bewertete die Community die Kampagne: billig und unpassend. Autsch!

Natürlich kann auch eine Modemarke wie Valentino mit KI arbeiten, keine Frage! Die Kampagne zeigt aber sehr gut, wohin KI-Nutzung ohne das richtige Gespür für die Brand führen kann. Wer Premium sagt, darf eben nicht Trash liefern.

Was in Zukunft zählt: Relevanz und echte Ideen

Jetzt wird es für Marketing-Profis spannend. Denn die logische Konsequenz aus dem Slop-Tsunami ist nicht „noch mehr produzieren“, sondern lieber weniger, aber das mit hohem Anspruch!

Die kritische Währung heißt Zeit

In einer Welt, in der User mit Content zugeschüttet werden, spitzt sich die Aufmerksamkeitsökonomie immer weiter zu. Die Frage ist nicht mehr „Wird mein Content gesehen?“, sondern „Wird ihm überhaupt noch Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt?“.

Genau das ist heute zur härtesten Währung geworden, die es gibt. Jeder, der im letzten Jahr mal durch seinen LinkedIn-Feed gescrollt hat, wird genau wissen, was ich meine.

Warum soll ich zehn Minuten meiner Lebenszeit in etwas investieren, in das der Ersteller nicht mal eine Minute gesteckt hat?

Dieser Beitrag im Rahmen einer LinkedIn-Community-Auswertung von snipKI bringt genau dieses Gefühl auf den Punkt.

Die Filter der User werden strenger

Nur noch das Besondere, Überraschende oder wirklich Relevante schafft es heute noch durch den mentalen Spamfilter der Zielgruppe. Alles andere wird von den meisten ignoriert, weggewischt, vergessen, noch bevor es überhaupt richtig wahrgenommen wurde. Was schon seit Jahren gilt, hat sich in Zeiten von AI noch potenziert.

Content-Produktion ist anspruchsvoller denn je!

Absurderweise macht genau das die Content-Produktion heute anspruchsvoller denn je. Der Unterschied liegt nicht mehr in der Produktion, die kann mittlerweile jeder.

Der Unterschied liegt in der Strategie und der Konzeption. Wer es schafft, echte Insights in wirklich besondere Ideen zu übersetzen, taucht aus dem Slop auf. Alle anderen ertrinken darin.

Die zentrale Frage sollte lauten: Ist der Gedanke es wirklich wert, Content zu generieren?

Let’s beat that slop!

Für die richtige Strategie und Konzeption braucht es nach wie vor echte Profis, Menschen mit Erfahrung, Gespür und Urteilsvermögen. Die kann man buchen. Eine effizientere Alternative: deren Expertise direkt in das eigene KI-Tool einzubauen.

Genau dafür hat BBN AI Studio jahrelange Marketing-Erfahrung in Skill-Sets für KI-Tools gegossen, die KI-Ergebnisse von Anfang an relevanter, schlauer und besser verwertbar machen.

In diesem Sinne: Lasst uns unsere Zielgruppen wieder wertschätzen, mit besseren Insights, cleveren Strategien, wirklich relevanten Inhalten und begeisternden neuen Ideen. Let’s beat that slop!